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"LOGOMANIA"

Ich treffe Charlotte Rohde vor dem Szenecafe Daluma. Sie lacht als wir reingehen und zeigt auf ein paar Mädels, die sich auf den Fensterbänken räkeln: “Ich dachte wir setzen uns dort hin, aber da findet gerade eine Instagram-Show statt”.

Charlotte's Instagram-Account (@charlotte__rohde) ist anders.

Keine Personenfotos, keine Selfies nur Schriften. Sie ist Typografin und Schriftgestalterin, ihre Interessen sind Schriftcharaktere und Strichstärken.

Mit uns hat sie über Markenzeichen, Schriftaufdruck und Berlin gesprochen.

Charlotte RhodeCharlotte trägt ein Vintage-Hemd, American Apparel shorts, New Balance 990 und eine Tasche von A.P.C.

R: Charlotte, auf der Webseite deines Projekts Typeclub Düsseldorf (http://www.typeclub-duesseldorf.de) sieht man 15 verschiedene Schriftarten. Was inspiriert dich bei der Kreation von einer neuen Schrift?

C: Meine Schriften entstehen meistens durch eine formalästhetische Inspiration. Ich sehe eine spannende Form oder entdecke ein interessantes Prinzip und gestalte dann erste Buchstaben. Meistens erkennt man das anfängliche Prinzip später gar nicht mehr.

R: Prinzipien? Erkundest du Verhalten von Menschen und entwickelt daraufhin Schriftcharaktere?

C: Hier habe ich eher Gestaltungsprinzipien gemeint, aber tatsächlich ist das ein Punkt in meiner Forschung: Schriften als Metaphern für Menschen zu testen. Dem Thema werde ich mein Masterstudium widmen.


R: Virgil Abloh hat in der visuellen Darstellung seines Labels Off-White wahnsinnig mit Schriftzeichen gespielt und provoziert. Die Berliner Jungs von dem Modekollektiv GmbH gehen noch einen Schritt weiter von dem reinen Spiel mit der Schrift zum Wortspiel. Ist Schrift für dich auch ein Spiel?

C: Gestaltung ist immer ein Spiel. Mit Form, mit Assoziationen, mit Grenzen, wenn man möchte. Es sollte nicht zu ernst sein, gerade wenn es um zeitgeistige Dinge geht. Zur Zeit ist ja alles postironisch und da bieten sich Statements, zu große Beschriftungen oder “Logomania” natürlich an.

Supreme x Luise Vuittion

 

R: LOGOMANIA! Ich kenne den Begriff der Postironie nur als Ausdruck einer differenzierten Haltung zur Figur der Ironie. Inwiefern sind große Logos postironisch?

C: Naja, postironisch bedeutet, dass man genau das trägt, was gestern noch das hässlichste der Welt war, wie Tribals beispielsweise. Man trägt bewusst Dinge, die hässlich sind, und das ist lustig, tut aber im Auge auch immer ein bisschen weh. Der Trend zu großen Logos ist auch ironisch, es verbindet außerdem Normcore (beispielsweise einfach das Tragen von T-shirts) mit Luxus (High-End Label).

Charlotte Rhode

 

 

R: Und dein Stil? Du bist nicht nur wahnsinnig schön, du kleidest dich auch ziemlich lässig. Woher nimmst du deine Inspiration?

C: Oh wow danke. Ich folge tatsächlich wenig Bloggern oder Influencern, aber ich habe gute Freunde, die da stark im Game sind und ich nehme aktuell meine Inspiration vor allem aus der Serie “Prinz von Bel Air” und dem Film “Clueless”.

R: Clueless, Cher ist klasse! Da gibt es diese herrliche Szene wo Cher vor einem riesigen Berg Kleider steht und völlig verzweifelt ist, weil sie gefühlt nichts anzuziehen hat. Der Film war auch eine große Inspiration für RE-NT.

Clueless

C: Ich hätte ja große Lust auf das Pradakleid mit den Flammen. Könnte ich mir sonst nie leisten und vermutlich hätte ich auch nicht so viele Anlässe dafür.

R: Oh ja das Flammenkleid. Ein tolles Teil und auch ein gutes Beispiel für postironische Revival - ursprünglich in den Mitte-90ern inspiriert von der Harley Davidson Motorradjacken. Dafür findest du sicher jede Menge Anlässe in Berlin!

Prada Flammenkleid
 
Prada Flammen Kleid zum mieten ab 310 Euro für eine Woche

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